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Das Ende des Businessplans?

Aleksandra Mladenovic

Mit dem Business-Modell Canvas lässt sich eine Geschäftsidee sehr einfach visualisieren. Das hilft auch bei der Suche nach Investoren. Otto Künzli, Dozent am sfb Bildungszentrum zeigt aber die Grenzen des Modells auf.

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Intro-Bild: Otto Künzli beim Unterrichten in Emmenbrücke. Dieses Bild: Das Canvas-Modell.

Man schreibt und schreibt und schreibt an einem Businessplan. Nach monatelanger Arbeit hat man ein 80-seitiges Dokument vor sich liegen und geht damit ans Werk. Doch was ist, wenn die ganze Sache nicht funktioniert? Wenn das Produkt, das man verkaufen möchte, einfach keine Abnehmer findet? Wieder zurück an den Schreibtisch und darüber grübeln, warum die Geschäftsidee nicht erfolgreich war. Und dann wieder von vorne: Schreiben, schreiben, schreiben. So sind noch bis vor kurzem in der Schweiz Unternehmen gegründet, Produkte entwickelt oder neue Geschäftsfelder angegangen worden. «Heute muss man aber viel schneller sein – sonst geht man unter», erklärt Dozent Otto Künzli einer gebannt zuhörenden Klasse am sfb Bildungszentrum in Emmenbrücke.

Mit Canvas geht es schneller

Künzli unterrichtet hier unter anderem die Studierenden des Nachdiplomstudiums HF Betriebswirtschaft. Aktuell bringt er ihnen das Business-Modell Canvas bei. «Während man früher 15 Wochen lang gegrübelt hat, ob man überhaupt einen Businessplan schreiben soll, hat man heute eine Geschäftsidee in ein paar Stunden auf ein Canvas gebracht und bereits grob auf ihre unternehmerischen Erfolgschancen hin getestet. Das Canvas-Modell verkürzt also die Zeit, bis man unternehmerisch wirklich aktiv werden kann», sagt der erfahrene Dozent.

Die Idee hatte ein Schweizer

Das Canvas-Modell ist ein Analysetool für Geschäftsideen. Wie der Name (Canvas heisst auf Deutsch Leinwand) es schon verrät, wird das gesamte Geschäftsmodell auf einer einzigen Oberfläche dargestellt. Der renommierte Schweizer Unternehmer Alexander Ostwalder hat die Methode 2008 zusammen mit Co-Autoren entwickelt – mittlerweile wird sie weltweit angewandt. Das Canvas-Modell erlaubt trotz geringem Zeiteinsatz ein prozessorientiertes Vorgehen, wobei verschiedene Komponenten eines Geschäftsmodells analysiert und festgehalten werden. Welche Kundensegmente sollen angesprochen werden? Wie soll die Kundenbeziehung aussehen? Welche Verkaufskanäle will man nutzen? Mit Hilfe des Canvas-Modells können diese und weitere Einflüsse auf ein Geschäftsmodell gut greifbar und deren Zusammenhänge sichtbar gemacht werden.

Wichtiger Teil des Lehrplans

Seit 2013 ist das Business-Modell Canvas im Lehrplan des Nachdiplomstudiums HF Betriebswirtschaft am sfb Bildungszentrum enthalten. Otto Künzli hat damals mitgeholfen, diese Methode zu integrieren. Experten, die den Businessplan im Hinblick auf den Erfolg des Canvas-Modells totsagen, widerspricht Künzli wehement: «Das Canvas-Modell ist lediglich eine Methode zur Potenzialanalyse. Sie ersetzt den Businessplan jedoch nicht.» Wenn eine Idee erfolgreich getestet worden sei, so Künzli, dann schreibe man diese auch heute noch in einem Businessplan nieder. «Im Businessplan geht man in die Tiefe, ins Detail.» Mit dem Canvas könne man das Interesse der Investoren gewinnen, den Businessplan brauche es aber, damit diese am Ende auch tatsächlich ihr Geld ausgeben.

Chancen und Gefahren

Künzli ist seit 1977 nebenamtlich als Dozent tätig. Beruflich hat er sich die Sporen bei der ABB abverdient, wo er zuletzt in leitender Funktion tätig war, bevor er bei der KPMG das Amt des Vizedirektors Consulting innehatte. Seit 1999 ist er mit seiner Künzli Consulting selbstständig tätig. Seine Erfahrung wird von den Studierenden sichtlich geschätzt. Konzentriert hören sie zu, während er Beispiele aus seinem Berufsleben zum Besten gibt: «Früher hatten grosse Firmen wie etwa die ABB grosse Forschungszentren für die Entwicklung neuer Produkte. Heute betreiben sie hauptsächlich Weiterentwicklung, springen dafür aber bei Start-ups früh auf.» Das Canvas-Modell habe diese Entwicklung begünstigt, da Geschäftsideen einem Investor einfacher und schneller dargelegt werden können.

Da Start-ups bei den Banken Kredite nur mit den nötigen Sicherheiten erhalten, bleiben ihnen oft lediglich Risikokapitalgeber. Diese wollen bei erfolgversprechenden Geschäften im Gegenzug für ihr Geld Unternehmensanteile. «Unter diesen Geldgebern findet man nebst Privaten und Institutionellen auch viele grosse und mittlere Unternehmen, die keine Eigenentwicklung mehr betreiben wollen», sagt Künzli. Die Start-ups würden zwar von diesen Geldgebern mit ihrer Infrastruktur unterstützt – sie profitieren also unter anderem beim Verkaufsnetz oder Marketing. «Da in der Wachstumsphase jedoch viel Geld benötigt wird, müssen die Gründer oft immer wieder Unternehmensanteile abgeben, bis kaum noch etwas übrig bleibt», warnt Otto Künzli.

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